Nebenklage – Opfervertretung

Als Verletzter oder Geschädigter einer Straftat können Sie auf Antrag in einem Strafverfahren als Nebenkläger auftreten und eigene Verfahrensrechte ausüben. Sie können dadurch an der gesamten Hauptverhandlung teilnehmen, eigene Fragen stellen, Beweisanträge vortragen sowie Rechtsmittel einlegen.

Die Rechte der Nebenklage

a) Akteneinsichtsrecht

(§§ 397 Abs. 1,385 Abs. 3 StPO)

Durch die Akteneinsicht, die nur über einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin erfolgen darf, können Sie als Verletzter oder Geschädigter der Straftat den jeweiligen Stand des Ermittlungsverfahrens verfolgen. So kann man rechtzeitig in Erfahrung bringen, ob der Täter zum Beispiel ein Geständnis abgelegt hat, oder ob andere Zeugen die Straftat ebenfalls wahrgenommen haben.

b) Anwesenheitsrecht

(§ 406 g Abs. 2 StPO, § 397 Abs. 1 Satz 1StPO)

Die Nebenklagevertretung ist bei richterlichen Vernehmungen zur Anwesenheit berechtigt, solange dadurch der Untersuchungszweck nicht gefährdet wird. Dem Verletzten ist die Anwesenheit in der gesamten Hauptverhandlung gestattet, wenn er dies möchte. Die Nebenklagevertretung ist ebenfalls zur Anwesenheit an allen Verhandlungstagen berechtigt.

c) Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit

( §§ 171 B, 172 GVG)

Vielen Verletzten und Geschädigten einer Straftat ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit in der Hauptverhandlung für die Dauer ihrer eigenen Vernehmung ausgeschlossen wird. Sie wollen nicht, dass Umstände aus Ihrem persönlichen Lebensbereich in die Öffentlichkeit oder Presse gelangen.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann durch die Nebenklagevertretung beantragt werden, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Dies ist immer dann der Fall, wenn die öffentliche Erörterung schutzwürdige Interessen des Geschädigten verletzen würde oder wenn ein verletztes Kind unter 18 Jahren als Zeuge vernommen werden soll oder wenn für den Zeugen die Sorge besteht, dass die Vernehmung in der Öffentlichkeit eine Gefährdung des Lebens, des Leibes oder der Freiheit des Zeugen bedeuten würde.

d) Antrag auf Ausschluss des Angeklagten

(§ 247 StPO)

Ebenso kann die Nebenklagevertretung beantragen, dass der Angeklagte während der Vernehmung des Verletzten den Sitzungssaal verlässt. Dies macht immer dann Sinn, wenn Anlass dafür besteht zu glauben, dass der Verletzte bei der Vernehmung in Gegenwart des Angeklagten nicht die Wahrheit sagt, weil er von diesen unter Druck gesetzt wird. Ferner kann bei der Vernehmung eines Kindes unter 18 Jahren der Angeklagte ausgeschlossen werden, wenn ein Nachteil für das Wohl des Kindes zu befürchten ist.

 

Weitere Rechte der Nebenklage

Die Nebenklage ist berechtigt ebenso wie alle übrigen Verfahrensbeteiligten ein Fragerecht auszuüben. Ebenfalls ist die Nebenklage befugt Beweisanträge, zum Beispiel auf Vernehmung von bestimmten Zeugen, zu stellen. Die Nebenklage kann Erklärungen abgeben, unzulässige Fragen anderer Verfahrensbeteiligter beanstanden und Richter oder Sachverständige wegen Besorgnis der Befangenheit ablehnen. Ebenso wie die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung ist die Nebenklagevertretung berechtigt, ein Plädoyer am Schluss der Verhandlung zu halten und eine bestimmte Strafe zu beantragen. Der Nebenklage steht ebenfalls eine (beschränkte) Rechtsmittelbefugnis zu, das bedeutet, dass gegen ein Urteil ein Rechtsmittel eingelegt werden kann.

 

Voraussetzung der Nebenklage

Voraussetzung der Nebenklage ist, dass Sie Verletzter einer der in Paragraph 395 StPO aufgeführten Nebenklagedelikte sind. Diese sind

  • Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
  • versuchter Mord oder Todschlag
  • Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit
  • Straftaten gegen die persönliche Freiheit
  • Verstoß gegen Gewaltschutzanordnungen und andere

Die gleiche Befugnis steht Personen zu, deren Kinder, Eltern, Geschwister, Ehegatten oder Lebenspartner durch eine rechtswidrige Tat getötet wurden oder die durch ein Antrag auf gerichtliche Entscheidung die Erhebung der öffentlichen Klage herbeigeführt haben.

Das verletzte Kind wird durch die gesetzlichen Vertreter (beide Eltern, ein Elternteil oder ein Vormund) vertreten.

 

Schadensersatz  und Schmerzensgeld, Adhäsionsverfahren

Als Opfer einer Straftat haben Sie nicht nur das Recht auf Nebenklage sondern darüber hinaus die Möglichkeit, zivilrechtliche Ansprüche im Strafverfahren geltend zu machen. Diese Schadenersatz – oder Schmerzensgeldverfahren nennt man Adhäsionsverfahren. Der große Vorteil eines solchen Adhäsionsverfahrens ist, dass sie als Geschädigter oder Opfer bereits selbst Beweismittel und nicht wie im zivilrechtlichen Verfahren „nur“ Parteien sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass in einem Gerichtsverfahren bereits beide Angelegenheiten (Strafverfahren und die Regelung des Schmerzensgeldes) erledigt werden können, und kein weiteres nervenaufreibendes Gerichtsverfahren notwendig ist.

 

Zeugenbeistand

Wenn aus rechtlichen Gründen eine Nebenklage nicht möglich ist, hat der geschädigte einer Straftat dennoch die Möglichkeit, anwaltliche Beratung in Anspruch zu nehmen und sich zu Vernehmungen begleiten zu lassen. Auch hier können für anwaltliche Beistandschaft für Zeugen die Kosten der Staatskasse auferlegt werden.

Als Nebenkläger oder Zeugenbeistand vertrete ich sie im Strafverfahren gegen den oder die Angeklagten, deren Opfer Sie geworden sind. Ihre Rechte nehme ich für Sie konsequent wahr.

Herzlich willkommen

Ihre Ansprechpartnerin

Claudia Hauck-Delhey Rechtsanwältin
Claudia Hauck-Delhey


Fachanwältin für
Strafrecht und Familienrecht

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